Impuls 2026-06 Heftige Kost!

Gabriele Stöckl

„Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib!“
(Hebräer13,3)

Wow – das ist aber echt heftige Kost! Ich glaube, ich kann mich nicht im Geringsten in die Situation eines oder einer Gefangenen und Misshandelten hineindenken, als wäre ich mitgefangen und/oder aufs Ärgste misshandelt worden.

Ich kann nur hoffen und beten, dass Aggressoren Einsicht bezüglich ihres unmenschlichen Handelns gewinnen und ihre Grausamkeiten beenden. Aber in Wahrheit kann ich nicht wirklich viel beitragen zur Verbesserung der Situation der Menschen in den Krisengebieten dieser Erde. Und das macht mich oft so ratlos und hilflos! Ja, spenden – das mache ich sowieso! Und dankbar sein für mein Leben hier in Europa, selbst wenn auch da nicht alles perfekt ist.

An die Gefangenen denken, als wäre ich mitgefangen – das möchte ich jetzt mal symbolisch betrachten:

Viele Menschen in unserem Umfeld sind „gefangen“, manchmal auch ich selbst. Gefangen in Lebenssituationen, die kaum auszuhalten sind oder auch in psychischen bzw. körperlichen Krankheiten, Problemen etc.

Da fällt es uns doch manchmal schwer, uns in eine spezielle Situation eines Mitmenschen hineinzudenken, hineinzuversetzen. Wir geben oft „gute Ratschläge“ ohne eine Ahnung zu haben, wie schwer oder sogar unmöglich es für das belastete Gegenüber ist, sie umzusetzen. Und manchmal sind wir dann ungeduldig und erlauben uns viel zu schnell ein Urteil wie: „Ich hab es ihr/ihm ja gesagt, sie/er will meinen Rat aber nicht umsetzen, so unvernünftig!“ Wenn Gefühle, Bindungen im Spiel sind, meine ich, sollten wir in unserem Urteil gnädig sein, denn WIR befinden uns ja nicht in der entsprechenden Situation!

An die Gefangenen denken, als wären wir mitgefangen heißt dann wohl vielmehr, einen Menschen zu begleiten und nicht zu beurteilen oder zu verurteilen, nur weil er/sie Ratschläge nicht oder nicht gleich umsetzen kann bzw. will.

Begleiten – da sein – zuhören – Zeit geben - mitleiden – wenn möglich mitempfinden, das heißt für mich „an die Gefangenen denken, als wäre ich mitgefangen“.

Ja, echt heftige Kost!

Alles Liebe, eure Gabi