Impuls 2020-10 "Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn"

Autor: Karl Zahradnik

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn, denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s euch auch wohl. (Jeremia 29, Vers 7 )

Ein Brief aus der Heimat an Menschen in der Fremde:

Nein, prophezeit er, so bald kommt ihr nicht zurück. Viele Jahre wird das Exil noch dauern. Erst eure Enkel werden die Rückkehr erleben, ihr aber nicht mehr. Das sind harte Worte. Jeremia mutet den Menschen in der Fremde einiges zu. Aber er beantwortet den Israeliten auch die wichtigste Frage: Wo Gott jetzt eigentlich ist. Jeremia sagt: Gott ist auch jetzt da.

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn, denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s euch auch wohl. (Jeremia 29, Vers 7) 

In den alten Zeiten hatten die Schreiben oder Briefe allerdings noch mehr Gewicht. Geschrieben wurde, wenn’s um Wesentliches, Existentielles ging – um Wohl und Wehe ganzer Völker. Ein echter Klassiker ist der Brief, den der Prophet Jeremia an die im Exil von Babylon lebenden Landsleute schreibt. Es ist eine Auftragsarbeit, die er da ausführt, denn von Gott stammt die Botschaft an die Führungselite des Volkes Israel. Und die saßen an den Ufern von Euphrat und Tigris und weinten sich die Augen rot.

Was für ein Ereignis: Post aus der Heimat. Was aber erst für ein Ereignis: Der Inhalt dieser Post! Jeremia formuliert wenige konkrete Anweisungen, die keine lange Auslegung brauchen.

Suchet der Stadt Bestes: Baut Häuser, pflanzt Gärten, arbeitet, heiratet, zeugt Kinder, verheiratet eure Kinder, mehret euch. Das ist ein Programm zur Integration.

Betet für sie zum Herrn: Bringt die Anliegen und Probleme der Stadt Babylon und ihrer Bewohner vor Gott. Das könnt nur ihr tun, weil ihr Gott kennt. Sorgt für das Wohlergehen von Babylon im Gebet vor Gott.  

Denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s auch euch wohl: Sorgt für das Wohlergehen von Babylon auch durch eure Tat. Wenn ihr euch um das Wohlergehen der anderen kümmert, sorgt ihr auch für euch selbst und für eure Zukunft.

Nicht wir Menschen sind es, die Gott Forderungen zu stellen hätten, sondern wir müssen unserer Verantwortung gerecht werden, die wir für das uns anvertraute einzigartige, kostbare Leben haben sowie das Leben unserer Mitmenschen und der Schöpfung, die zu bebauen und zu bewahren immer noch die beste aller Lebensvarianten ist.